Dem Herzen zuliebe: Transzendentale Meditation

von Dr. Michael Matthis

Gesundes Herz durch Transzendentale Meditation

Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung können das Risiko für einen Infarkt um fast 50% senken, wenn sie zweimal täglich 20 Minuten Transzendentale Meditation (TM) praktizieren. Das ergab eine Studie, die auf der Jahresversammlung der „American Heart Association“ im November 2009 in Orlando, Florida, vorgestellt wurde.

Die Studie wurde von der US-Gesundheitsbehörde „National Heart, Lung and Blood Institute“ mit 3,8 Millionen US-Dollar gefördert und vom Medical College Wisconsin in Zusammenarbeit mit dem Institut für Naturheilkunde und Vorbeugung der Maharishi University of Management, Iowa, durchgeführt.

Über einen Zeitraum von neun Jahren wurden 200 Patienten mit verengten Herzkranzarterien mit einem Altersdurchschnitt von 59 Jahren untersucht. Nach dem Zufallsverfahren wurden die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt, von denen eine die stressreduzierende Technik der Transzendentalen Meditation ausübte, während die andere Gesundheitserziehung erhielt, um die traditionellen Risikofaktoren zu minimieren. Zusätzlich erhielten beide Gruppen die übliche ärztliche Betreuung.

Die TM-Gruppe zeigte gegenüber der Kontrollgruppe:

1. 47 Prozent weniger Sterberate, Herzinfarkt und Hirnschlag,

2. eine klinisch signifikante Reduktion von zu hohem Blutdruck (5 mm Hg im Mittel),

3. eine wesentliche Verringerung von psychischem Stress.

Herzkreislauferkrankungen zählen in Europa zu den Haupttodesursachen und machen nahezu die Hälfte aller Todesfälle aus. An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben mehr Menschen als an allen Krebserkrankungen zusammen.

Gut fürs Herz-Kreislaufsystem

Dass die einfache und leicht zu erlernende Entspannungstechnik der Transzendentale Meditation dem Herz-Kreislaufsystem gut tut, ergab bereits eine fünfjährige Studie von 1987 (Psychosomatic Medicine 49(1): 493–507, 1987) an 2000 Langzeitmeditierenden, die deutlich weniger Krankenkassenleistungen als andere Kassenmitglieder in Anspruch nahmen. Im Herz-Kreislauf-Bereich hatten sie sogar 78% weniger Leistungen beansprucht.

Zwei Übersichtsarbeiten, veröffentlicht im American Journal of Hypertension 21, 310, 2008 (Current Hypertension Reports 9:520–528, 2007) belegten, dass Transzendentale Meditation den Blutdruck genauso deutlich senkt wie Medikamente. Dieser Effekt ließ sich nur bei TM, jedoch nicht bei anderen Entspannungstechniken nachweisen. Weitere Studien zeigten, dass sich durch TM langfristig blutdrucksenkende Medikamente einsparen lassen (Am. J. Hypertension, 18, 88-98, 2005), arteriosklerotische Veränderungen an der Halsschlagader verringern (Stroke, 31: 568-573, 2000), Komponenten des metabolischen Syndroms wie die Insulinresistenz und die Herzfrequenzvariabilität verbessern (Archives of Internal Medicine, 166:1218-1224, 2006) und dass sich TM günstig auf Herzschwäche und Angina pektoris auswirkt. In den letzten zehn Jahren wurde die Erforschung der Wirkung von TM auf Herz-Kreislauferkrankungen mit mehr als 20 Millionen Dollar öffentlichen Fördermitteln unterstützt.

Gut für den Geist

Wissenschaftler erforschten in den letzten Jahrzehnten auch die Wirkung der Transzendentalen Meditation auf den Geist. Schon nach wenigen Monaten TM stellten sie eine deutliche Verringerung von Ängstlichkeit, Depressivität, Schmerzempfindlichkeit, Schlafstörungen und Nikotin- und Alkoholmissbrauch fest. Kreativität und wesentliche Komponenten der Intelligenz (Fluid Intelligenz, praktische Intelligenz, emotionale und moralische Reife) nahmen dagegen zu.

Ruhevolle Wachheit – Umschalten auf Regeneration

Wie lässt sich diese umfassende Wirkung der Transzendentalen Meditation erklären? Die TM, die von Maharishi Mahesh Yogi aus der Vedischen Tradition entwickelt und seit 1959 im Westen verbreitet wurde, ermöglicht die Erfahrung eines Zustandes ruhevoller Wachheit, der physiologisch mit tiefgreifenden, physiologischen Regenerations- und Anpassungsvorgängen einhergeht und damit die „innere Intelligenz“ des Körpers belebt.

Chronischer Stress – beteiligt an vielen Erkrankungen

In den letzten zwei Jahrzehnten konnte belegt werden, dass chronischer Stress bei der Entstehung vieler Erkrankungen eine große Rolle spielt. Man schätzt, dass 75-90% aller Arztbesuche mit stressbedingten Beschwerden und Krankheiten zusammen hängen. Psychosozialer Stress spielt auch bei der Entstehung von Herzkreislauf-Erkrankungen eine große Rolle: Die bei akutem Stress ausgeschütteten Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol erhöhen den Herzschlag, den Blutzuckerspiegel, den Tonus der Blutgefäße und die Blutgerinnung, wodurch der Körper für die sogenannte „Flucht- oder Kampfreaktion“ vorbereitet ist: Wir haben mehr Energie, sind konzentriert und einsatzbereit, und etwaige Wunden verschließen sich schneller.

Langanhaltender chronischer Stress schädigt jedoch den Körper und trägt zu Bluthochdruck, Diabetes, verstärkter Arteriosklerose und erhöhtem Risiko für Gefäßverschluss, Herzinfarkt und Schlaganfall bei.

Da chronischer Stress das Immunsystem durch eine verstärkte Sympathikus-Aktivierung und verringerte zelluläre Abwehr schwächt, wird er auch mit Krebs in Zusammenhang gebracht. Außerdem wirkt er sich schädlich auf die Hirnfunktion aus: er schwächt das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis sowie die innere Regulation, da bestimmte Gehirnbereiche durch erhöhten Kortisolspiegel beeinträchtigt werden.

Transzdendentale Meditation baut Stress besonders gut ab

Während der TM erreicht der Körper im Vergleich zu anderen Entspannungsmethoden einen einzigartigen Zustand tiefer Ruhe, die doppelt so tief ist wie im Tiefschlaf. Schon während der ersten Minuten der Meditation nehmen Atemfrequenz, Blutlaktat und Sauerstoffverbrauch drastisch ab, während der Hautwiderstand deutlich zunimmt. Die subjektive Erfahrung ruhevoller Wachheit geht neurophysiologisch mit einer verstärkten Durchblutung der präfrontalen Gehirnbezirke und verstärkter EEG-Kohärenz im Alpha-Wellenbereich – besonders im präfrontalen Bereich – einher.

Endokrinologisch zeigen sich während der Ausübung der Meditation Zeichen einer vegetativen Umschaltung: Plasmakortisol nimmt im Vergleich zu Personen, die sich mit geschlossenen Augen entspannen, um 33% ab und Vasopressin und Serotonin – ein stimmungsanhebendes Hormon, das Ruhe und Regeneration fördert – nehmen zu. Weitere Studien zeigen einen erniedrigten Adrenalin- und Noradrenalinspiegel bei Langzeitmeditierenden und eine geringere Anzahl von Adrenalinrezeptoren im Körper.
In einer randomisierten Studie bei Jugendlichen (Psychoneuroendocrinology vol 22 (4), 1997) zeigte sich nach vier Monaten TM eine bessere Adaptionsreaktion auf Stress-Situationen: niedrigere Kortisolspiegel im Alltag, erhöhter Kortisolanstieg auf akute Stressreize und schnellere Rückkehr zu niedrigen Ausgangskortisolwerten nach Ende der Stresssituation.

Die während der Meditationspraxis auftretende Zunahme der EEG-Kohärenz weist auf größere Geordnetheit der Gehirnfunktion. Die bessere Zusammenarbeit weit entfernt liegender Hirnareale führt zu einem neuen integrierten Arbeitsstil des Gehirns und bleibt bei längerer Meditationspraxis zunehmend auch während der Aktivitäten im Alltag erhalten. Wissenschaftler konnten aufzeigen, dass EEG-Kohärenz mit zunehmender Intelligenz, Kreativität, Problemlösefähigkeit, moralischer Reife und einer Integration des Nervensystems verbunden ist.

Fazit

In den letzten vier Jahrzehnten ist Transzendentale Meditation zunehmend zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden. TM kann einen großen Beitrag in der Behandlung von Herzkreislauferkrankungen leisten. Die Wirkung ist erstaunlich weitgestreut, sowohl präventiv als auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Die Technik kann in wenigen Tagen von autorisierten Lehrern der Transzendentalen Meditation erlernt werden, erfordert keine Änderung der Lebensweise und kann von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund ausgeübt werden.  Die Adresse des Lehrers oder der Lehrerin für Transzendentale Meditation in Ihrer Gegend erfahren Sie bei der deutschen TM-Organisation (0800-624274744) oder www.Meditation.de

Dr. Michael Matthis ist Allgemeinarzt, zert. Diabetologe  und seit 1994 in Lübeck als Allgemeinarzt tätig. Seit seiner Doktorarbeit beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der Transzendentalen Meditation auf die Gesundheit. Außerdem ist er Dozent der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda.